Manchmal braucht Liebe einen Ratgeber

Beziehungsprobleme nach Untreue des/der Partner/-in

Beziehungsprobleme nach Untreue des/der Partner/-in

Könnt Ihr Eure Partnerschaft retten?

Viele Jahre wart Ihr ein glückliches Paar. Habt so einiges zusammen erlebt und seid gemeinsam durch Dick und Dünn gegangen. Und dann eines Tages der große Knall. Du hast erfahren, dass Dein/e Partner/-in Dich betrogen hat. Und obwohl Du die starke Entscheidung getroffen hast, Deinem/Deiner Partner/-in nach seinem/ihrem Seitensprung noch eine Chance geben zu wollen – weil Eure Beziehung viel zu wertvoll ist, um jetzt einfach alles hinzuschmeißen – ist seitdem nichts mehr wie es war.

Nach einem derart großen Vertrauensbruch kann es schwierig sein, wieder ein „Wir“-Gefühl zu entwickeln. Unsicherheit und die seelischen Verletzungen des Betruges nagen wahrscheinlich weiterhin an Dir. Aus Lappalien werden riesige Streite und die Fronten verhärten sich zunehmend. Wie aber könnt Ihr es aus dieser derart verzwickten und schmerzhaften Situation herausschaffen? Und ist es womöglich sogar machbar, als Paar gestärkt aus solch einer Krise hervorzugehen?

Verlorenes Vertrauen:

Die Schreckensnachricht Untreue

Starten wir an der Stelle, an der sich alles verändert hat. Möglicherweise hat Dein/e Partner/-in eines Tages mit sehr ernster Miene gesagt, dass er/sie mit Dir reden muss. Wenn Du vielleicht davor bereits ein komisches Gefühl hattest, dann gingst Du dementsprechend beunruhigt in das Gespräch. Anfangs hat er/sie lange gezögert, aber dann platzte es unter Tränen aus ihm/ihr heraus: „Ich habe Dich betrogen“. In diesem Moment wurde Dir sicher förmlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Wie durch Watte hörst Du ihn/sie beteuern, wie leid es ihm/ihr tue. Dass es wirklich nur dieser eine Ausrutscher gewesen sei und es auch rein gar nichts bedeutet hätte. Dass er/sie Dich liebt und alles dafür tun will, um Dich nicht zu verlieren. Puh, einen solchen emotionalen Tiefschlag zu verdauen ist wirklich hart. Verrückt, aber falls es so oder so ähnlich ablief, ist das tatsächlich erst einmal (auch wenn es sich nicht so anfühlt) nicht der allerschlechteste Ausgangspunkt, um Eure Beziehung retten zu können. Zeigt Dein/e Liebste/-r nach einem einmaligen Seitensprung anscheinend Reue und wollte nicht mit dieser Lüge leben, so kann Dir das auf lange Sicht teilweise nämlich sogar Vertrauen schenken. Denn offensichtlich konnte er/sie es kaum ertragen, Dich hintergangen zu haben. Was eher dafür spricht, dass sich derartiges nicht wiederholen wird.

Große Enttäuschung: Es selbst herauszufinden

Der andere Fall – dass Dein/e Liebste/-r nicht von sich aus zu seinem/ihrem Fehlverhalten stand, sondern Du es erst selbst herausfinden musstest – zerstört das Vertrauen im Gegensatz dazu leider noch tiefgreifender. War es dann auch noch kein einmaliger Ausrutscher oder es handelte sich sogar um eine Affäre, wird es noch umso schwieriger. Besonders eine Affäre hat wahrscheinlich schwerwiegende Folgen für Eure Beziehung. Zum einen fand durch das (womöglich länger) geführte Doppelleben ein sehr viel größerer Betrug statt. Zum anderen hat eine Affäre durchaus eine gewisse Verbindlichkeit. Und vermutlich hat er/sie auch irgendeine Art von Bindung zu seiner/ihrer Affäre aufgebaut. Das muss zwar nicht gleich Liebe oder Verliebtheit sein, eine gewisse emotionale Verbundenheit lässt sich jedoch meist nicht abstreiten. All das muss erst einmal geklärt und klar beendet werden, bevor Ihr wiederum eine Chance auf ein Liebes-Comeback habt.

Fatale Auswirkungen für Betrogene

So oder so findet aber leider immer ein Vertrauensbruch statt. Die Untreue des/der Liebsten lässt uns an unserer Attraktivität, unserer Liebenswürdigkeit und der Beziehung an sich zweifeln. Und das Gemeine ist, dass – auch wenn wir verzeihen wollen – die Verletzungen manchmal so tief gehen, dass wir es einfach nicht können. Und hier entstehen die Probleme. Dein/e Partner/-in schmeißt den Plastikmüll versehentlich in den Biomüll und Dir platzt sofort der Kragen? Bei einem einzigen Blick zu einer Person des bevorzugten Geschlechts fühlst Du Dich gleich extrem verunsichert und es folgt (mal wieder) eine Grundsatzdebatte? Auch wenn diese emotionalen Reaktionen absolut nachvollziehbar sind, erschweren sie natürlich Euren Alltag und auch Euer Wiederzusammenfinden.

Herausforderung: Fremdgehen überwinden

Dein/e Partner/-in und Du habt also beschlossen, gemeinsam für Eure Beziehung kämpfen zu wollen. Gut! Und fundamental wichtig. Nur wenn Ihr wirklich beide diese Beziehung noch führen wollt und bereit seid, den Betrug und das, was dazu geführt hat, aufzuarbeiten, macht es überhaupt Sinn, es zu versuchen. Denn einfach wird es sicher nicht.

Ernsthafte Bemühungen

Zu Problemen führt es jetzt vor allem, wenn eine/einer von Euch oder womöglich beide nicht wirklich zu dieser Abmachung stehen. Du möchtest ein Gespräch über das Geschehene oder Deine Gefühle führen, doch er/sie blockt ab und bemerkt genervt, ob Ihr das nicht endlich hinter Euch lassen könnt? Nun, es scheint so, also wollte er/sie zwar Eure Beziehung nicht aufgeben, ist jedoch nicht so recht bereit, jetzt alles Erforderliche dafür zu leisten, sondern möchte am liebsten kurzerhand zur Normalität zurückkehren. Natürlich kann es auch sein, dass es ihm/ihr einfach unglaublich unangenehm ist, über diesen Fehltritt zu sprechen. So oder so sollte die Person, die fremdgegangen ist, aber auf jeden Fall für Gespräche offen sein und Verständnis für Dich und Deine Emotionen haben. Und auch dafür, dass diese nicht einfach nach ein paar Wochen wieder verschwinden. Um diesen Riss zu reparieren, wird es schon etwas mehr brauchen.

Auch der/die Betrogene muss mitarbeiten

Andersherum ist es allerdings auch Deine Aufgabe, nicht zu sehr auf dem begangenen Vertrauensbruch herumzureiten. Hinterfrage deshalb auch, ob Dein/e Partner/-in denn seitdem überhaupt eine reelle Chance hat, es Dir recht zu machen. Hältst Du ihm/ihr den Betrug immer wieder (indirekt) vor, bleibt Ihr dadurch in einer ungesunden Konstellation stecken, in der es eine/n Schuldige/-n und ein Opfer gibt – keine Liebenden, die gemeinsam an Ihrer Verbindung arbeiten wollen.

Verzeihen, nicht Unterdrücken

Dein Teil der Abmachung ist es, ihm/ihr zu verzeihen. Und das solltest Du auch so gut wie möglich versuchen, wenn Du diese Beziehung weiterführen möchtest. Das bedeutet keineswegs, Deine Emotionen und die entstandenen Ängste und Zweifel zu unterdrücken. Im Gegenteil. Wie gesagt, zählt es zu den Aufgaben Deines Partners/Deiner Partnerin, Dich diesbezüglich aufzufangen und Dir den nötigen Raum dafür zu geben. Ein kleiner Check, inwiefern Du Eure Beziehung aus verletzten Gefühlen und unterdrückter Wut heraus jedoch vielleicht unterschwellig sabotierst, kann allerdings nicht schaden.

Gemeinsame Aufarbeitung

Denn genau darauf kommt es jetzt an: Den jeweiligen Anteil zu leisten und diese Krise gemeinsam meistern zu wollen. Keine Alleingänge. Keine passiv-aggressiven Schuldzuweisungen. Kein Herauswinden aus unangenehmen Gesprächen. Nein, was es jetzt braucht, ist voller Einsatz. Spürt Ihr diese Bereitschaft gegenseitig, dann wird es Euch auch sicherlich leichter fallen, wieder an einem Strang zu ziehen.

Wichtige Gespräche führen

Was durchaus vollen Einsatz zeigt, ist der Mut zur Offenheit. Diese ist für die Aufarbeitung existenziell wichtig. So könnt Ihr es bestenfalls schaffen, den Seitensprung Deines/Deiner Liebsten nicht nur zu überstehen, sondern daraus zu lernen. Sich darauf einzulassen kann allerdings durchaus fordernd sein. Höchstwahrscheinlich werdet Ihr viele eher schwierige Gespräche führen müssen. Doch genau an die unbequemen Dinge und Wahrheiten müsst Ihr Euch jetzt heranwagen. Tatsächlich entstehen Fremdgehen und Betrug nicht selten daraus, dass der untreue Part sich allgemein eher davor scheut, als schwierig empfundene Themen anzusprechen. Oft ergibt sich das verletzende Endresultat „Untreue“ sogar, weil der-/diejenige nie gelernt hat, seine/ihre Bedürfnisse auszusprechen, oder diese aus Angst davor, jemanden zu verletzen, nicht äußert. Dementsprechend ist es wichtig für ihn/sie, dies zu lernen.

Die Wahrheit kann manchmal wehtun

Du hingegen musst Dich darauf einstellen, auch Dinge zu hören, die Dir vielleicht nicht so gut gefallen. Zu erfahren, was dem/der Liebsten in der Beziehung fehlte oder welche Fehler auch Du gemacht hast – das fällt niemandem leicht. Doch über vorhandene Unzufriedenheiten oder eventuell die verloren gegangene Leidenschaft zu sprechen, ist sehr wichtig. Wie sonst solltet Ihr etwas verändern können? Äußert er/sie beispielsweise, dass er/sie das Gefühl hatte, bei Euch war sexuell total die Luft raus und Du hättest Dir auch kaum noch Mühe gegeben, ist das schmerzhaft und Dein erster Impuls wird wahrscheinlich durchaus sein, zu protestieren. Oder er/sie erklärt, dass zunehmend das Gefühl gehabt zu haben, Du würdest Dich emotional distanzieren und wärst gar nicht mehr an Nähe zu ihm/ihr interessiert gewesen. Auch das fühlt sich sicherlich für Dich als Betrogene/r ungerecht an. Wahrscheinlich möchtest Du Deine Sicht der Dinge schildern und möglicherweise klarstellen, dass dem doch gar nicht so war. Und keine Sorge: Das sollst Du auch noch. Es ist sogar wichtig, dass auch Du schilderst, wie Du es empfunden hast. Doch versuche zuallererst, seine/ihre Aussage – so schwer es auch ist – anzunehmen. Er/Sie sagt diese Sachen ganz sicher nicht einfach so. Sondern, weil es für ihn/sie wichtig ist.

Einfühlsam ansprechen

Natürlich sollte Dein/e Partner/-in beim Ansprechen auch dementsprechend einfühlsam sein. Probiert es doch vielleicht mit dem Hilfsmittel der gewaltfreien Kommunikation. In dieser spricht man immer in Ich-Botschaften, anstatt Vorwürfe zu machen. Beispielsweise würde Dein/e Partner/-in sagen „Ich habe mich körperlich von Dir nicht mehr begehrt gefühlt und das hat mir gefehlt“, anstatt Dir an den Kopf zu werfen „Du hast mich gar nicht mehr rangelassen“. Somit verliert Ihr Euch nicht in unproduktiven Anschuldigungen, sondern könnt besser in den Austausch über Eure Gefühle und Bedürfnisse kommen.

Gestehst Du Deinem/Deiner Partner/-in seine/ihre Empfindungen zu und bekommst im Gegenzug die Möglichkeit, Deine Sichtweise darzustellen, könnt ihr so manche Probleme, die vielleicht schon viel länger (destruktiver) Teil Eurer Beziehung sind, bestenfalls endlich erkennen und gemeinsam lösen.

Tief verankerte Auslöser der Untreue

Manchmal ist es für den/die untreu gewordene/-n Partner/-in allerdings auch nötig, in der Kindheit geprägte Bindungsmuster aufzuarbeiten. Möglicherweise zeigt sich in Euren Gesprächen, dass es nicht nur Auslöser innerhalb Eurer Beziehung gab, sondern es kommen tieferliegende Sachen zum Vorschein. Beispielsweise kann das fehlende Selbstwertgefühl Deines/Deiner Partner/-in, welches durch das sexuelle Abenteuer ausgeglichen werden sollte, ein Grund sein. Oder aber in der Familie war notorische Untreue an der Tagesordnung, weshalb das für Deine/en Liebste/-n schon beinahe normal war – bis er/sie jetzt erfahren hat, welchen Schaden das anrichten kann. Bei solchen Auslösern ist es ratsam, dass Dein/e Liebste/r sich professionelle Hilfe beim Aufarbeiten sucht oder Ihr eventuell eine/n Paartherapeuten/-in aufsucht.

Grenzen kennen

Achtung übrigens, was die Offenheit über Details der Affäre oder den Seitensprung an sich bezogen angeht! Explizite Einzelheiten über die Beziehung zur anderen Person oder auch die sexuellen Aktivitäten befeuern Dein Kopfkino und die stattgefundene Verletzung nur noch mehr und sind daher nicht hilfreich. Zu suchen hat in Euren Gesprächen nur, was wirklich Euch beide und Eure Beziehung angeht. Ja, es kann verlockend sein, sich ein Bild machen zu wollen, jedoch wird uns dieses in den seltensten Fällen beruhigen, sondern eher weiter verunsichern.

Vertrauensbruch gut bewältigen

Doch wie repariert man denn nun das Kaputtgegangene? Wie schaffst Du es, wieder Vertrauen zu fassen? Auch, wenn es vermutlich nicht das ist, was Du hören willst: Es braucht Zeit. Allerdings wird es, wenn Ihr miteinander redet und die neu gefundene Offenheit pflegt, vermutlich infolgedessen wieder wachsen. Und es ist nicht unmöglich, dass die Beziehung danach sogar beiderseits gefestigter ist als zuvor.

Auffangen des/der Betrogenen

Dein Vertrauen wird sich außerdem vor allem dann wieder entfalten, wenn Du merkst, dass Dein/e Partner/-in Dich in Deinem Schmerz (auch wenn er/sie der Auslöser dafür war) versteht und auffängt. Zum Beispiel wenn er/sie nicht genervt reagiert, sondern verständnisvoll, wenn Du jetzt beispielsweise völlig ausflippst, weil er/sie dem/der Kassierer/-in ein Lächeln zugeworfen hat. Weil er/sie nachvollziehen kann, dass Du derzeit logischerweise sensibler und misstrauischer bist als sonst. Oder er/sie weiß ganz von alleine, was dahintersteckt, dass Du ihn/sie plötzlich anschreist, nur weil der Plastikmüll im Biomüll gelandet ist. Alles, was Dir Verständnis dafür signalisiert, dass Du Dich derzeit in einem emotionalen Ausnahmezustand befindest, wird Dir auch helfen, wieder Nähe zuzulassen.

Akzeptieren der Defizite

Natürlich müsst Ihr es schaffen, irgendwann zur Normalität zurückzukehren. Doch bis dahin solltet Ihr die schwierige Situation, in der Ihr Euch gerade nun mal befindet, annehmen und Euch bewusst sein, dass die derzeitigen Schwierigkeiten auch völlig normal sind. Akzeptiert Ihr das nicht, sondern hadert vorwiegend mit der Situation, ist das keine gute Basis, um vorurteilsfrei klärende Gespräche zu führen und zu Eurer tiefen Verbindung zurückfinden zu können.

Zusammenbleiben: Ja –Selbstaufgabe: Nein

Bei aller Liebe und dem Wunsch, die Beziehung zu retten, solltest Du dabei aber trotzdem aufpassen, nicht über Deine Grenzen zu gehen. Nimm Deine Gefühle an und verurteile Dich nicht dafür. Es ist absolut nachvollziehbar, wenn Du derzeit womöglich nicht ganz Du selbst bist. Der Betrug eines geliebten Menschen, egal ob emotional oder sexuell, trifft uns besonders hart. Nicht umsonst gibt es sogar Fälle, in denen die Auswirkungen von Untreue und Betrug in der Partnerschaft psychologisch sogar mit einer posttraumatischen Belastungsstörung verglichen werden. Auch, wenn es für Eure Wiedervereinigung ein offenes Ohr und Verständnis für Deine/n Partner/-in braucht, darfst Du Dich und Deine Bedürfnisse auf keinen Fall vernachlässigen. Tu Dir jetzt viel Gutes und umgib Dich mit liebevollen Menschen. Alles, was Deine aufgewühlte Seele etwas beruhigt, wird Dir helfen, den emotionalen Stress abzubauen, Dein Selbstwertgefühl wiederherzustellen und Sicherheit in Dir selbst zu finden. Ohne das hast Du unmöglich die Kapazität, an Eurer Beziehung zu arbeiten. Lege deshalb den Fokus genauso auf Dich. Dann wirst Du außerdem besser spüren, ob Dein/e Partner/-in tatsächlich – auch nach dem Seitensprung – immer noch der Mann oder die Frau an Deiner Seite sein soll. Finde Deine Stärke wieder, dann wirst Du spüren, was zu tun ist und ob es wirklich die Chance gibt, Eure Beziehung weiterzuführen.

Deine ganz persönliche Aufarbeitung

Das alles ist nach solch einem Schock leider nicht ganz so einfach, wie es klingen mag. Außerdem solltest Du bitte auch sorgfältig überprüfen, ob die Entscheidung, Zusammenzubleiben, denn wirklich aus den richtigen Gründen getroffen wurde und nicht andere Sachen wie Bequemlichkeit, Verlustängste oder Abhängigkeiten mit hineinspielen. Zögere deshalb nicht, Dir gegebenenfalls auch professionelle Hilfe zu suchen. Egal ob Du Unterstützung beim Umgang mit den heftigen emotionalen Nachwirkungen oder eine geschulte Meinung von außen brauchst: Du kannst Dich jederzeit gerne an unsere Berater/-innen wenden. Sie fangen Dich in dieser schweren Zeit auf und werden Dich bestmöglich unterstützen, die für Dich richtige Lösung oder die nötige Klarheit im Hinblick auf Eure Beziehung zu finden.