Manchmal braucht Liebe einen Ratgeber

(Immer) In die Falschen verliebt – Das steckt dahinter

(Immer) In die Falschen ver- liebt – Das steckt dahinter

Kennst Du das? Du sitzt bei einem schönen Glas Wein mit einer guten Freundin und einem Kumpel zusammen und Ihr tauscht gegenseitig die neuesten Dating-Erlebnisse aus. Ihr witzelt, lacht gemeinsam über Fehlschläge und plötzlich fällt der Satz „Ich glaube, ich habe mich verliebt“.

Eigentlich willst Du Dich für Deine/n Freund/-in freuen, doch je mehr Du erfährst, desto skeptischer wirst Du. Das kommt Dir alles nur zu bekannt vor. Ja, sogar das Gesicht des/der diesmal Auserwählten ähnelt jemandem – gefühlt hast Du es schon einmal gesehen. Und zwar an der Seite Deines Freundes/Deiner Freundin. Und danach hatte er/sie wieder Mal ein gebrochenes Herz.

Ans Licht Gebracht:

Muster bei der Partnersuche

Dass Deine Freundin sich beispielsweise bevorzugt in jemand Unnahbares verliebt, kennt Ihr inzwischen nur zu gut. Vielleicht freut Ihr Euch mittlerweile schon, wenn er/sie diesmal zumindest nicht vergeben ist. Immer und immer wieder läuft sie demselben Typ Mensch hinterher und wird verletzt. Ihr versucht zwar, sie vorsichtig darauf aufmerksam zu machen, aber viel helfen könnt Ihr Eurer Freundin nicht. Und auch Dein Kumpel sieht zwar das Muster Eurer Freundin, hat jedoch bei der eigenen Partnerwahl/Partnerinnenwahl ebenfalls kein so glückliches Händchen.

Es ist deshalb an der Zeit, herauszufinden, warum wir uns auf der Suche nach Liebe und einer funktionierenden Beziehung manchmal selbst sabotieren. Denn hast Du das erst einmal erkannt, liegt es in Deiner Macht, es zu verändern und Dein wirkliches Liebesglück zu finden.

Beuteschema „nicht verfügbar“

Von außen betrachtet können wir manches klarer sehen. Nehmen wir also doch noch einmal Deine Freundin als Beispiel. Sie hat in Euren Augen unverkennbar das Beuteschema „nicht verfügbar“. Ob rein emotional, wie damals, als sie einem Schwarm hinterherlief, der/die ganz eindeutig nicht an ihr interessiert war, oder ihr Lieblingstyp: „Bereits in festen Händen“. Allzu oft gerät sie an jemanden, der/die es leider nicht ernst mit ihr meint. Dabei wünscht sie sich doch so sehr eine liebevolle Beziehung.

Erstaunlich ist, dass sie die Absurdität ihrer Wahl selbst begreift und dennoch anzunehmen scheint, so ihr Liebesglück zu finden. Sie klagt darüber, dass sie einfach die Falschen anzieht – beim nächsten Mal verliebt sie sich allerdings wieder in denselben Typ Mensch. Und abermals ist die Liebe zum Scheitern verurteilt. Wie kommt es, dass sie beim Kennenlernen so blind für die Anzeichen ist und fast schon magisch von dem Beuteschema, dem sie eigentlich abschwören wollte, angezogen wird?

Bindungsmuster werden in der Kindheit geprägt

Nun, unsere Partnerwahl/Partnerinnenwahl und vor allem die Art und Weise, ob und wie wir Bindungen aufbauen, werden überwiegend in unserer Kindheit geprägt. Die Bindung, die wir zu unseren allerersten Bezugspersonen haben (meist unsere Eltern), beeinflusst unser ganzes Leben. Und maßgeblich, für wen wir uns bei der Partnersuche entscheiden.

Unsichere Eltern-Kind-Bindung

In Bezug auf Deine Freundin könnte es sein, dass sie keine sonderlich vertrauensvolle und enge Beziehung zu einem oder sogar beiden Elternteilen hatte. Verlieben wir uns nämlich andauernd in Menschen, die emotional auf Distanz bleiben und sich gar nicht wirklich binden wollen, kennen wir es vielleicht einfach nicht anders. War der Vater Deiner Freundin beispielsweise oft auf Geschäftsreise oder die Mutter ihr gegenüber emotional recht kühl, könnte sie unterbewusst abgespeichert haben, dass Bindung wohl so aussieht. Und sucht deshalb ungünstigerweise ihr Glück eher bei nicht verfügbaren (potenziellen) Partnern/-innen.

Wiederholen der Kindheits-Muster

Auch Dein Kumpel scheint von der Beziehung zu seinen Eltern stark bei der Partnerwahl/Partnerinnenwahl beeinflusst zu werden. Dir fällt ein, dass er schon öfter erzählt hat, dass er von seiner Mutter immer zu Höchstleistungen angetrieben wurde. Ob in der Schule oder im Sport: Es konnte nie gut genug sein. Immer gab es etwas an ihm auszusetzen. Jetzt fällt es Dir wie Schuppen von den Augen. Genau das ist das Problem, wieso es bei ihm mit der Liebe einfach nicht so richtig klappen will. Jedes Mal, wenn er Euch jemanden vorgestellt hat, hast Du schon vermutet, dass das nicht funktionieren wird. Dass ihn diese Person nicht auf Dauer glücklich machen wird. Ob es der/die Erzieher/-in war, der/die ihn ständig wie eines seiner/ihrer Kindergartenkinder tadelte, oder der/die Personal-Trainer/-in, der/die ihn schon beim zweiten Date vorwurfsvoll anblickte, weil er statt des Salats die Pommes bestellen wollte. All diese gescheiterten Versuche einer erfüllten Partnerschaft hatten eines gemeinsam: Die Menschen, zu denen er sich hingezogen fühlte, wollten ihn verändern. Oder in den Worten seiner Mutter ausgedrückt: verbessern.

Warum wir uns „falsch“ verlieben

Das Schwierige ist, dass er genau das anfangs anziehend findet. Kritisiert jemand an ihm herum, ist er Feuer und Flamme und hat das Gefühl, es könnte die große Liebe sein. Er neigt dazu, es als etwas Positives zu beurteilen, dass jemand ihn unterstützt, sich „weiterzuentwickeln“…

Was aber eigentlich passiert, ist, dass er sich wieder in genau das Muster begibt, das er aus seiner Kindheit kennt. Er hat verinnerlicht, dass er etwas erfüllen, etwas leisten muss, um geliebt zu werden. Und das hat auch seine Definition davon, wie es sich anfühlt, „geliebt zu werden“, geprägt. Und obwohl er inzwischen weiß, dass seine Mutter überkritisch war und ihm das teilweise durchaus geschadet hat, gibt es da etwas in ihm, das unbewusst genau darauf immer noch anspringt. Es ist erstaunlich, wie unser Gehirn funktioniert: Etwas, das wir bereits kennen, wird als sicherer eingestuft als Unbekanntes. Sogar wenn wir wissen, dass das Bekannte zu Leid geführt hat, haben wir es immerhin schon einmal er- und überlebt, und somit kommt es uns leichter zu bewältigen vor.

Aber Dein Kumpel ist jetzt ein erwachsener Mann. Und deshalb passiert nach der anfänglichen Verliebtheit das, was passieren muss: Das ständige Kritisieren führt zu Streit. Und die Dynamik, die sich entwickelt, ist nicht die gesunde Beziehung eines Liebespaares, sondern wird auf verdrehte Art und Weise die Nachbildung der Bindung einer Mutter und ihres Kindes sein. Beide laufen somit Gefahr, in destruktive Verhaltensweisen zu geraten, woran die Beziehung letztendlich zu scheitern droht. Und schwupps, sitzt er weinend bei Dir auf der Couch und schwört, beim nächsten Mal ganz sicher nicht wieder auf den/die Falsche/n hereinzufallen.

Chancen auf eine gesunde Bindung

Veränderung ist möglich

Doch apropos auf die falsche Person hereinfallen. So einfach von uns wegzuschieben ist das natürlich nicht. Immerhin haben wir selbst einen immensen Einfluss. Zum einen können wir, wenn wir unsere individuellen Muster und Erfahrungen erforschen, die Macht über unsere Partnerwahl/Partnerinnenwahl zurückerlangen und dadurch lernen, jemanden anziehend zu finden, der/die nicht unserem (bis dahin) typischen Muster entspricht. Und zum anderen kann es sogar in einer bereits bestehenden Partnerschaft oder Kennenlernphase etwas positiv beeinflussen, wenn wir uns unserer eigenen Themen bewusst werden. Steigt Dein Kumpel zum Beispiel aus seinem Muster aus und kommuniziert klar, dass er eine Beziehung auf Augenhöhe und keine ständige Bevormundung wünscht, wird womöglich auch sein/e Partner/-in ins Nachdenken kommen. Bestenfalls können sie gemeinsam aus ihrem ungesunden Beziehungsschema aussteigen. Beziehung entsteht miteinander – und Beziehungsprobleme entstehen ebenso miteinander. Ein positiver Aspekt ist, dass sie uns unglaublich viel über uns selbst und unsere, bis dahin verborgenen, Themen zeigen können.

Wichtige Aufarbeitung

Auch Deine Freundin kann vielleicht bereits genauer erkennen, was hinter ihrem unglücklichen Beuteschema steckt. Durch Achtsamkeit und das Aufarbeiten ihrer unsicheren Eltern-Kind-Bindung kann sie den unterbewusst geprägten Hang zu bindungsunwilligen Kandidat/-innen möglicherweise auflösen. Mit der Aufarbeitung ihrer Kindheit wird sie idealerweise auch an Selbstbewusstsein gewinnen. Und wenn unser Selbstwertgefühl intakt ist, fühlen wir uns meist gar nicht mehr von Menschen angezogen, die sich nicht auf uns einlassen wollen oder können. Sind wir selbstbewusster, sinkt unser Interesse an jemand emotional Unerreichbaren dann viel eher, da wir unseren Wert und unsere Liebenswürdigkeit gar nicht erst verhandeln wollen.

Versteckte Bindungsangst

Eventuell entdeckt sie aber sogar, dass sie sich diese Personen ausgesucht hat, gerade weil keine wirkliche Möglichkeit auf eine enge Bindung in Aussicht war. Manchmal deutet das nämlich tatsächlich umgekehrt darauf hin, dass der-/diejenige eigentlich selbst unter Bindungsangst leidet. Weil Deine Freundin erfahren hat, dass Bindung unbeständig und schmerzhaft sein kann, ist es denkbar, dass irgendetwas in ihr vor genau so einer Bindung zurückschreckt. Vielleicht sucht sie sich also immer die Vergebenen, weil sie dann vermeintlich gar nicht befürchten muss, sich zu viel zu erhoffen und zu öffnen. Das klingt vielleicht erst einmal absurd. Immerhin leidet Deine Freundin ja trotzdem und erzählt Dir nur allzu oft, wie sehr sie sich nach einer Beziehung und wahrer Liebe sehnt. Bindungsangst muss jedoch nicht offensichtlich sein, geschweige denn eindimensional. Nicht immer ist jemandem mit Bindungsangst auch klar, dass er/sie tief im Inneren davor zurückschreckt, eine Beziehung einzugehen. Es ist möglich, dass die Angst, verletzt zu werden, und die unbewusste Überzeugung, das Risiko dafür wäre beim Eingehen einer wahrhaftigen Bindung zu hoch, jemanden unterschwellig beeinflussen. Unabhängig von dem vorhandenen Wunsch, den/die Partner/in fürs Leben finden zu wollen.

Es könnte somit also auch eine Art unterbewusster Selbstschutz Deiner Freundin sein, sich vorwiegend auf bindungsunfähige oder nicht verfügbare Menschen einzulassen – den sie jetzt Stück für Stück aufdeckt.

Verschiedene Bindungstypen

Grob gesagt: Unsere Kindheit prägt, wie wir Bindung wahrnehmen und ausleben. Haben wir sie in der Kindheit als zuverlässig und sicher erlebt, entwickeln wir uns als Erwachsene/-r ziemlich wahrscheinlich zum sicheren Bindungstyp. Haben wir jedoch eher schlechte Erfahrungen innerhalb unserer kindlichen Beziehungen gesammelt, führt das eventuell dazu, dass wir ein unsicheres Bindungsverhalten entwickeln. Das kann beispielsweise ein unsicher-vermeidendes Verhalten zur Folge haben, was bedeutet, dass wir uns bei zunehmender emotionaler Nähe eher zurückziehen, um uns zu schützen (Vielleicht trifft das auf Deine Freundin zu). Oder es kann zu einem unsicher-ambivalenten Verhalten führen. Bei diesem neigen wir dazu, zu klammern, und uns übermäßig versichern zu wollen, dass der/die Partner/-in uns liebt (Das könnte auf Deinen Kumpel, der den Vorstellungen seiner Partner/-innen entsprechen möchte, zutreffen). Und obwohl Komplikationen fast schon vorprogrammiert sind, wenn diese beiden Bindungstypen aufeinandertreffen, ziehen sie sich häufig an. Meist entsteht dann ein sehr gefühlsintensives, aber ungesundes Auf und Ab. Herauszufinden, zu welchem Bindungstyp Du und Dein/e Angebetete/-r neigen, kann ebenfalls helfen, die festgefahrenen Strukturen zu erkennen und zu bekämpfen. Denn obwohl es diese Einteilung gibt, bedeutet das nicht, dass man für immer in seinem momentanen Bindungsverhalten bleiben muss.

Beuteschema: Wahre Liebe

Wie gesagt: Wir können die Macht über unsere Partnerwahl/Partnerinnenwahl und darüber, zu welchem Typ wir uns hingezogen fühlen, zurückgewinnen. Das Bewusstwerden unserer Veranlagungen ist der erste Schritt. Hast Du erst einmal einen klaren Blick auf Dein Beuteschema und woher es kommt, bist Du diesem nicht mehr einfach ausgeliefert. Du wirst erkennen, dass so viel mehr auf Dich wartet, wenn Du Dich von Deinem Bindungsmuster befreist. So viele tolle Menschen, so viele Erkenntnisse über Dich selbst und so viel wahrhaftige, unkomplizierte Liebe. Bindungsmodelle und -muster klingen erst einmal starr. Aber das Schöne ist, dass wir lebendige Wesen sind. Wir können wachsen, uns von alten Mustern lösen und somit verändern. Nichts muss so bleiben, wie es ist.

Solltest Du jetzt ins Grübeln gekommen sein, ob Deine bis jetzt erfolgslose Suche nach einer Partnerschaft womöglich an einem tief in Dir verankerten Bindungsmuster scheitert oder Du nicht weißt, wie Du ein bereits Erkanntes auflösen kannst, sind unsere Berater/-innen gerne für Dich da. Oder brauchst Du Hilfe, um Dich erst einmal von dem/der Falschen zu lösen? Ruf an und bekomme Unterstützung dabei, Klarheit zu erlangen, Dich selbst zu reflektieren und somit der wahren Liebe immer näher zu kommen.