Manchmal braucht Liebe einen Ratgeber

Plötzlich Single – Eine unerwartete Trennung verarbeiten

Plötzlich Single – Eine unerwartete Trennung verarbeiten

Geht eine (langjährige) Beziehung in die Brüche, ist das meist unglaublich schmerzhaft. Kommt die Trennung dann auch noch aus dem Nichts und zieht uns damit völlig den Boden unter den Füßen weg, so ist es meist noch schwieriger, diesen verhängnisvollen Schicksalsschlag wegzustecken und über den/die Ex hinwegzukommen.

Vielleicht geht eine so plötzliche, einseitige Trennung auch damit einher, dass Dir eine richtige Aussprache verwehrt wird oder, im schlimmsten Falle, Dein/e Ex-Partner/-in einfach so verschwindet. So oder so, als Zurückgelassene/r wirst Du kurzerhand alleine gelassen. Verwirrt. Verletzt. Mit einem gebrochenen Herzen und tausenden unbeantworteter Fragen.

Schock:

Schlagartiges Beziehungsende

Wer sich in der derzeitigen Dating-Welt auskennt, weiß, dass das abrupte Ende einer Kennenlernphase leider längst keine Seltenheit mehr ist. Gerade in der noch zerbrechlichen und oft scheinbar unverbindlichen Anfangsphase können bereits kleinste Auslöser zu einem unerwarteten Ende führen. Hast Du das schon einmal erlebt, dann weißt Du wahrscheinlich, wie schwer es sein kann, damit umzugehen.

Völlige Fassungslosigkeit

Doch wenn es schon so beschwerlich ist, unter diesen Umständen über eine kürzlich eingegangene Verbindung hinwegzukommen: Wie quälend muss dann erst ein unerwartetes Verlassenwerden nach einer langjährigen Beziehung sein? Immerhin verbinden Euch viele gemeinsame Jahre, und Du dachtest, Ihr würdet alles miteinander teilen. Gestern war doch gefühlt noch alles in Ordnung und jetzt stehst Du fassungslos vor dem Scherbenhaufen, der von Eurer langjährigen Beziehung übriggeblieben ist. In dieser Situation versuchst Du bestimmt zu begreifen, was denn passiert ist. Ist die Trennung womöglich eine Kurzschlussreaktion gewesen oder hat er/sie Dich tatsächlich bewusst schon längere Zeit so ahnungslos gelassen? War der Beschluss etwa schon gefasst, dass er/sie sich von Dir trennen wird, als Ihr Euch vor ein paar Wochen beim feuchtfröhlichen Sommerfest mit Euren Freunden und Freundinnen lachend – und Deinerseits auf alle Fälle auch immer noch verliebt – in die Augen gesehen habt?

Die Frage nach dem „Warum?“

Werden wir auf einen Schlag ohne Erklärung verlassen, stellen wir alles in Frage. So völlig im Dunkeln gelassen, suchst Du überall nach möglichen Gründen und grübelst somit wieder und wieder über die Beziehung und eventuelle Probleme nach. Unter diesen Umständen die nötige Distanz zu gewinnen, um den Trennungsschmerz zu überwinden, braucht jetzt vor allem eines: Zeit. Denn diese Gedanken und Gefühle lassen sich leider nicht so einfach abstellen.

Findest Du Dich also in der Position des/der plötzlich Verlassenen wieder, fragst Du Dich vermutlich andauernd: „Wie konnte ich es nicht kommen sehen?“ und versuchst verzweifelt, herauszufinden, warum Dein/e geliebte/r Partner/-in scheinbar ohne Vorwarnung einfach alles wegwirft.

Übersehene Anzeichen

Doch gab es wirklich keine Anzeichen? Womöglich fällt es Dir noch schwer, auszumachen, was letztendlich zur Trennung geführt hat. Aber mit der Zeit erkennst Du wahrscheinlich, dass Eure Beziehung sehr wohl den einen oder anderen Schwachpunkt hatte. Hab keine Angst, genauer hinzusehen, sei dabei aber nicht zu streng mit Dir. Gerade wenn Probleme bereits über einen längeren Zeitraum existieren, kann es nun mal passieren, dass wir blind dafür werden. Durch den (Beziehungs-)Alltag kann es durchaus vorkommen, dass manche Themen in den Hintergrund geraten, wir ihnen nicht genug Beachtung schenken oder sie in Form eines klärenden Gespräches thematisieren. Wahrscheinlich hast auch Du Fehler in Eurer Beziehung gemacht. Nein, ziemlich sicher sogar hast Du Fehler gemacht. Die machen wir nämlich alle. Bitte mach Dir deshalb im Nachhinein nicht zu viele Vorwürfe. Dich jetzt auch noch selbst zu verurteilen ist unnötig schmerzvoll. Ist es für Dich allerdings wichtig, zu verstehen, woran Eure Beziehung gescheitert ist, um den Liebeskummer bewältigen zu können, dann geh der Sache auf den Grund. Auch wenn es sehr schmerzhaft sein kann, den eigenen Anteil an der misslichen Lage zu erkennen – es kann Dir helfen, Dich weniger hilflos zu fühlen.

Die Gründe verstehen

Grundsätzlich gibt es immer Gründe für eine Trennung. Egal, ob Dein/e Ex Dir diese nun mitteilt oder nicht. Und unabhängig davon, ob Du sie im Nachhinein verstehen kannst oder nicht – sie sind da. Das Bedürfnis, seine/ihre Beweggründe besser begreifen zu wollen, ist allerdings absolut verständlich. Denn zu wissen, woran es lag, kann Dir das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle zurückgeben – was Du, wenn Du so unerwartet verlassen wurdest, bestimmt auch gut gebrauchen kannst.

Angenommen, Dein/e Ex hat den Kontakt abgebrochen. Du wirst also von ihm/ihr wohl keinerlei Auskunft mehr über die Gründe erhalten. Dann fällt Dir jetzt bei genauerer Betrachtung vielleicht recht schnell auf, dass Ihr Euch tatsächlich im Laufe der Zeit still auseinandergelebt habt. Das ist zwar traurig, kommt in langjährigen Beziehungen aber leider oft genug vor. Oder ist es undurchsichtiger und es gab gegebenenfalls andere, tiefersitzende Gründe für Euer so unschönes Auseinandergehen?

Fehlende Veränderung

Versuche, Dich zu erinnern, ob es Themen gab, die des Öfteren zu Auseinandersetzungen führten. Hat Dein/e Partner/-in etwas Bestimmtes immer mal wieder angesprochen und um Veränderung gebeten? Hat Dein Partner sich beispielsweise beschwert und Dir gesagt, dass es ihn verletzt, wenn Du jedes Wochenende mit Deinen Freunden/-innen unterwegs bist, anstatt auch mal einen kuscheligen Abend mit ihm auf der Couch zu verbringen? Oder hat Deine Partnerin wiederholt versucht, Dir zu erklären, dass es sie kränkt, wenn Du einen (vermeintlich lustigen) Spruch nach dem anderen auf ihre Kosten machst? Vielleicht wird Dir rückblickend klar, dass Du diese Mitteilungen nicht so wirklich ernst genommen, geschweige denn Dein Verhalten überdacht hast. Nun, das könnte ein möglicher Grund sein, wieso Ihr jetzt getrennt seid. Dabei geht es inzwischen vermutlich gar nicht mehr um das Thema an sich. Mutmaßlich hat er/sie irgendwann sogar aufgehört, es anzusprechen, das Gefühl, nicht gehört zu werden, ist aber geblieben. Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich dann manchmal aus vermeintlichen Kleinigkeiten letztendlich ein größeres Problem entwickelt.

Unterschiedliches Problembewusstsein

Übrigens scheint das Problembewusstsein von Männern und Frauen generell sehr unterschiedlich ausgeprägt zu sein. Während Frauen ganz klar ein Problem erkennen (und häufiger ansprechen), brauchen Männer viel länger, um dieses überhaupt auszumachen. Das führt nicht selten zu Unzufriedenheit und Spannungen. Außerdem senden Frauen auch mehr Warnsignale in Form von Konfliktgesprächen. Sie werden allerdings immer stiller, wenn diese zu nichts führen. Dann schließen sie mit der Sache – und leider oft auch mit der Beziehung – langsam, aber sicher ab. Männer kommunizieren dahingegen ihre Unzufriedenheiten viel seltener, was letztlich dazu führt, dass ihr/e Partner/-in bei einer Trennung häufiger ahnungslos zurückbleibt.

Ungelöste Streitigkeiten

Ein weiteres mögliches Szenario sind ungelöste Konflikte. Gab es Konflikte, die Ihr nie wirklich klären konntet? Auch hier muss das ursprüngliche Thema des Streits gar nicht Auslöser für die Trennung gewesen sein (kann es natürlich trotzdem). Doch konntet Ihr den Konflikt nie wirklich auflösen, könnte dieser seitdem unterschwellig mitschwingen und die Partnerschaft belasten. Solche schwelenden Konflikte sind Gift für eine Beziehung. Sie führen mitunter dazu, dass schon Lappalien immer heftigere Konsequenzen nach sich ziehen. Hattet Ihr nach einem Streit eventuell nicht die Möglichkeit, Euch richtig auszusprechen, oder Du hast ein klares Fehlverhalten Deinerseits nie eingestanden? Dann ist es möglich, dass Dein/e Partner/-in seitdem übermäßig angestaute Wut in sich trägt. Hat er/sie dadurch außerdem den Eindruck bekommen, dass Du nicht dazu bereit bist, schwierige Dinge auch wirklich zu klären, ist das eventuell sogar eine Erklärung dafür, dass er/sie Dich so komplett ohne Aussprache verlassen hat. Überlege noch einmal, ob Du ihm/ihr teilweise solche Gefühle vermittelt haben könntest – zieh Dir aber bitte auch nicht jeden Schuh an! Lass Dir (auch von Dir selbst) keine Schuld einreden, wo keine ist.

Verlassen werden ohne Anzeichen

Denn natürlich kann es ebenso sein, dass die Verhaltensweisen Deines Partners/Deiner Partnerin es Dir völlig unmöglich gemacht haben, abzusehen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Fiel es ihm/ihr generell schwer, Probleme anzusprechen oder mit (Deinen) Emotionen umzugehen, hat er/sie womöglich einfach grundlegend vermieden, unangenehme Dinge anzusprechen. Oder er/sie wusste selbst nicht so recht, dass etwas nicht stimmt, bis er/sie sich aus heiterem Himmel in jemand anderen verliebt hat. Das kann bitter sein und Dich mit dem Gefühl zurücklassen, keine Chance bekommen zu haben, etwas zu verändern. Du wirst in diesem Fall vor vollendete Tatsachen gestellt. Grundsätzlich, wie das Leben eben manchmal spielt, ist es selbstverständlich jedem/jeder zuzugestehen, aus einer Beziehung auszusteigen, in der er/sie nicht mehr glücklich ist. Und sich seiner eigenen Gefühle erst spät bewusst zu werden, kann leider passieren.

Gewaltige Auswirkungen

Wird die Verbindung aus Angst vor Konfrontation aber einfach so gekappt und schwierige emotionale Gespräche werden vermieden, ist das niemals fair. Dein/e Ex-Partner/Partnerin lässt Dich durch das Verweigern eines richtigen Abschieds mit einer riesigen Lücke zurück. Im Versuch, Dir selbst zu erklären, was vorgefallen ist, wirst Du Dir wahrscheinlich die allerschlimmsten Szenarien und Gründe ausmalen. Diese sind in Verbindung mit der Ungewissheit womöglich quälender, als es die Realität jemals sein könnte. Außerdem führt diese Lücke gerne zu rasender Wut. Entweder auf den/die Ex oder fatalerweise, gepaart mit Schuldgefühlen, auf sich selbst. Wirst Du so dermaßen schonungslos zurückgelassen, suchst Du möglicherweise alle Schuld dafür bei Dir. Auf Dauer nagt das aber sehr an Deinem Selbstwertgefühl, was es umso schwieriger macht, über die Trennung hinwegzukommen. Aufgrund dieser schwerwiegenden emotionalen und psychischen Auswirkungen, die ein ganz plötzlicher Beziehungsabbruch haben kann, sollte schon alleine aus Respekt dem/der Ex-Partner/-in gegenüber nach einer Trennung immer eine wahrhaftige Aussprache angeboten werden. Ist das nicht der Fall und Du wurdest stattdessen harsch vor den Kopf gestoßen, ohne die Möglichkeit auf Klärung, dann frag Dich bitte, ob Du mit einem Menschen, der zu derart rücksichtslosem Verhalten fähig ist, wirklich zusammen sein möchtest. Ganz sicher hast Du Besseres verdient, als so behandelt zu werden.

Die Trennung verarbeiten

Solltest Du erkannt haben, dass Du Dich in Eurer Beziehung teilweise auch nicht richtig verhalten hast, dann nimm es als das an, was es ist: Eine Chance. Die Chance, Dich weiterzuentwickeln. Falls Du Dich emotional dazu bereit fühlst, kannst Du sogar versuchen, noch einmal in Form einer Entschuldigung auf Deine/n Ex zuzugehen und somit zu Deinen Fehlern stehen. Auch das kann Dir eventuell beim Loslassen helfen. Mach Dich aber auf keinen Fall alleine für das Scheitern Eurer Beziehung – und vor allem für die Art und Weise, wie die Trennung erfolgt ist -verantwortlich. Wichtig ist, wie bei jeder Trennung, gut auf Dich zu achten und Dich mit den aufkommenden Gefühlen und Gedanken auseinanderzusetzen.

Abstand nehmen

Kläre so schnell wie möglich alles Nötige mit Deinem/Deiner Ex. Je schneller Ihr keinen Kontakt mehr habt, desto besser wirst Du mit der Vergangenheit abschließen können. Vor allem wenn er/sie Dir die Aussprache weiterhin verweigert, ist es immer wieder quälend, ihn/sie um Dich zu haben. Auf ein klärendes Gespräch wirst du wohl leider verzichten müssen.

Selbstakzeptanz aufbauen

Egal, ob Du nun das Gefühl hast, mitverantwortlich für die unerwartete Trennung zu sein, oder immer noch völlig planlos bist: Kümmere Dich gut um Dich und vergib Dir die Fehler, die Du glaubst, gemacht zu haben. Eure Beziehung ist sicherlich nicht einfach so und auch nicht ausschließlich an Deinen Fehlern gescheitert. Anscheinend gab es aber für Euch keine Möglichkeit, den Weg gemeinsam weiterzugehen. Zugegebenermaßen hat das zwar Dein/e Ex-Partner/-in ziemlich einseitig für Dich mitentschieden – doch letztendlich zeigt auch das, dass Ihr nicht zusammengehört. Wichtig ist jetzt, Dein Selbstbewusstsein zu stärken und wieder Vertrauen in Dich selbst aufzubauen.

Herausforderung Neue Liebe

Mitunter das Schwierigste nach einer so traumatisierenden, unerwarteten Trennung kann es für Betroffene sein, sich irgendwann wieder auf jemand Neues einzulassen. Der Schock des plötzlich Verlassenwerdens und die damit verbundenen, heftigen Emotionen können bewirken, dass Du große Angst hast, Dich wieder jemandem anzunähern. Diese Angst ist absolut verständlich. Gib Dir Zeit und lass Dich bitte nicht verunsichern.

Ängste überwinden und Klarheit gewinnen

Sind Deine Ängste zu groß und stehen Dir auf der Suche nach Deinem neuen Liebesglück im Weg, kann es ratsam sein, sich Hilfe von außen zu holen. Du hast jemanden kennengelernt, befürchtest aber, wieder so quälend verlassen zu werden? Oder bist Du noch dabei, eine unerwartete Trennung zu verarbeiten, und zerbrichst Dir erfolglos den Kopf darüber, wie es überhaupt so weit kommen konnte? Du musst das nicht alleine schaffen. Unsere Berater/-innen sind gerne für Dich da und können Dir helfen, mehr Klarheit zu bekommen oder den Mut, Dich auf eine neue Liebe einzulassen, zu finden. Ruf an und suche Dir fachgerechte Unterstützung, um diese schmerzliche Erfahrung zu verarbeiten.